Neue Perspektiven im Bildband „Rooftops. Islands in the Sky”

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Rooftops. Islands in the Sky

Gunn Landscape Architecture, SoHo Roof Terrace. Copyright: Donna Dotan Photography / TASCHEN


 
Der neue Bildband „Rooftops. Islands in the Sky“ untersucht ein interessantes Phänomen: Im unübersichtlichen Großstadt-Dschungel, in dem es immer enger und hektischer wird, verziehen sich die Einwohner auf eine höhere Ebene.
 
Die Neuerscheinung vom TASCHEN Verlag zeigt, wie kunstvoll gestaltete Dachterrassen zum neu erschlossenen Lebensraum werden. Über 50 urbane Oasen werden durch Fotografien, Illustrationen, Grundrisse und Texte veranschaulicht, darunter die Dächer der bekanntesten Restaurants, Bars und Museen sowie opulente Privatresidenzen.
 
 
Der Bildband zeigt eindrucksvolle Dachterrassen.

Jean Nouvel, One Central Park. Copyright: Roland Halbe / TASCHEN


 
Das Buch führt den Leser etwa ins Stadtzentrum von Singapur, in den CapitaGreen Tower. Der 245 Meter hohe Wolkenkratzer fängt durch einen Windturm auf dem Dach kalte Luft ein, die ins Innere des Gebäudes transportiert wird. Dabei erinnert der 45 Meter hohe Windschacht eher an eine gigantische Tulpe, die aus dem Dach heraussprießt.
 
 
Der Dachgarten beheimatet über 40 verschiedene Gehölzarten.

Toyo Ito, CapitaGreen. Copyright: Kai Nakamura / TASCHEN


 
Die Fassade des Gebäudes ist zu 55 Prozent mit grünen Pflanzen bedeckt, der riesige Dachgarten beheimatet über 40 verschiedene Gehölzarten. Die Natur erblüht vor der Kulisse der futuristischen Großstadt und wächst in sie hinein – oder ist es andersherum?
 
Die Reise geht weiter zum neuen Wahrzeichen Singapurs, dem Gebäudekomplex Marina Bay Sands. Auf einer Höhe von 190 Metern sind drei 55-stöckige Wolkenkratzer durch einen gigantischen SkyPark miteinander verbunden. Das aufgesetzte Dach wirkt aus der Ferne wie ein fahrender Zug, der über die drei Gebäude hinwegrast.
 
Der scharfkantige Infinity-Pool, hinter dem sich die Skyline Singapurs aufbäumt, ist ein berühmtes Touristenmotiv. Die weitläufigen Dachgärten sowie das angesagte Szene-Restaurant CÉ LA VI mit angeschlossener Bar ermöglichen einen Blick über ganz Singapur – das Dachterrain wird zum Zentrum einer ganzen Metropole.
 
 
Rooftops. Islands in the Sky

Delugan Meissl, Ray 1 House. Copyright: Boyoun Kim / TASCHEN


 
Bei einer solchen Katalogisierung urbaner Dächer darf der berühmte Mailänder Bosco Verticale nicht fehlen. Die begrünten Fassaden des Doppelturmes sind von 780 Bäumen, 5000 Sträuchern und 11000 Stauden überzogen. Es scheint, als finde die Natur wieder Einzug in die großen Metropolen – aber stilisiert und durchdacht, als integriertes Designobjekt.
 
 
Der Bosco Verticale ist mit tausenden von Pflanzen überzogen.

Stefano Boeri, Vertical Forest. Copyright: Laura Cionci / TASCHEN


 
Es folgen berühmte Highlights wie die Dachterrasse des Museum of Modern Art. Der künstlich angelegte Dachgarten stellt das Ideal der Landschaftsgestaltung infrage: Die Natur wurde durch Glasschotter, Gummischnitzel und Kunststofffelsen nachgeahmt. Laut Peter Reed, dem ehemaligen MoMA-Kurator für Architektur und Design, bestehe die Intention darin, „die Kunst der Camouflage und die Künstlichkeit der Simulation weiter auf die Spitze zu treiben und die Simulation selbst als Quelle für Designideen zu nutzen.“
 
 
Der Autor des Bildbandes, Philip Jodidio, betrachtet die Dachgestaltung als Gesamtkunstwerk, welches er als eine Komposition aus notgedrungener Raumnutzung, höchst ästhetischem Design und nachhaltiger Bepflanzung betrachtet. Er zeigt neben renommierten Architekten wie Frank O. Gehry, Norman Foster und Zaha Hadid auch talentierte Nachwuchskünstler.
 
 
Die Dachterrasse ist ein neu erschlossener Lebensraum.

Alberto Campo Baeza, House of the Infinite. Copyright: Javier Callejas / TASCHEN


 
Mit dem Durchblättern des Bildbandes wächst die Faszination für die urbane Dachterrasse: Man begreift sie als versteckten Raum, als stille Oase mit beschränktem Zugangsrecht. Häufig muss man in gewissen Zirkeln verkehren, um sich Zutritt zu verschaffen.
 
Dieser Bildband ermöglicht seltene Einblicke und katalogisiert die faszinierenden Konstruktionen für die Öffentlichkeit. Der Fokus des Buches liegt auf architektonischen Gestaltungsmerkmalen. Verliert eine Dachterrasse durch diese Untersuchung ihren Zauber? Nein, denn sonst wäre sie zwischen den vielen Dächern verschwunden und niemals sichtbar geworden. Wer sich für urbane Gebäudekonstruktion interessiert, erhält in diesem eindrucksvollen Bildband eine detaillierte Darstellung der höchsten Gipfel, die aus Metropolen wie Sydney, Berlin und Singapur in ihrer versteckten Opulenz herausragen.
 
 
Andrea Bruchwitz
 
 
Boyoun Kim, Philip Jodidio: Rooftops. Islands in the Sky. TASCHEN, Hardcover, 384 Seiten, 49,99 Euro.
 
 
Rooftops. Islands in the Sky.
 

 
Wer sich für Architektur-Bilder interessiert, findet in der WhiteWall Bilderwelt inspirierende Fotografien.
 

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