Light Painting | Im Interview: Kunstkollektiv „The Dark Light“

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The Dark Light ist ein Kunstkollektiv aus Leipzig, bestehend aus dem 28-jährigen Veranstaltungstechniker Christian und dem 37-jährigen Diplom-Medienwirt Jörg. Im Interview erzählen uns die beiden Lichtkünstler, wie sie zur Fotografie gekommen sind, worauf es beim Light Painting ankommt und verraten, was sie bei ihrer Arbeit inspiriert.

 

Hallo Jörg, Hallo Christian, erzählt uns ein bisschen etwas über euch. Wie seid ihr zur Fotografie gekommen und was begeistert euch am meisten daran?

 

Jörg: Um ehrlich zu sein, bin ich notgedrungen zur Fotografie gekommen. Es ist schwierig mit Licht zu malen, wenn es nicht visuell festgehalten wird. Deshalb habe ich angefangen zu fotografieren. Mein eigenes Verständnis für die Bildharmonie hat sich dabei durch meine berufliche Tätigkeit entwickelt. Die Faszination an der Fotografie ist in unserem Fall, dass man messbare Zeit in einer gefühlten Momentaufnahme festhalten kann.

 

Christian: Vor diesem Projekt hatte ich keinen persönlichen Bezug zur Fotografie. Schöne Motive nehme ich in Gedanken auf und genieße sie. Die technische Seite einer Kamera ist mir jedoch nicht fremd.

 

 

© The Dark Light

 

 

Ihr habt euch auf das Thema „Light Painting“ spezialisiert. Wie seid ihr zu diesem Themenschwerpunkt gekommen und was fasziniert euch am meisten daran?

 

Jörg: Ich bin über meinen Beruf als Beleuchter für Kino- und Fernsehfilme zum Light Painting gekommen. Mittlerweile arbeite ich seit 13 Jahren freiberuflich in der Filmbranche und habe vor sieben Jahren angefangen mein Hobby Malen mit meinem Beruf der Lichtgestaltung zu verbinden. Durch diverse Filmproduktionen in den letzten Jahren habe ich gelernt, wie man Licht richtig einsetzt und dadurch Wahrnehmungen beeinflussen kann. Beim Light Painting habe ich die Möglichkeit, meine Erfahrung als Beleuchter freier und experimenteller einzusetzen, um Bilder entstehen zu lassen.

 

Christian: Jörg hat mir vor einigen Jahren die ersten Aufnahmen gezeigt und ich war sofort begeistert. Für mich hat sich dadurch die Möglichkeit eröffnet Projektionen mit einem neuen Medium zu verbinden. Beruflich stamme ich aus der Veranstaltungstechnik und nutze Beamer bis dato im herkömmlichen Sinn und nicht als Lichtquelle, um künstliche Räume unter freiem Himmel entstehen zu lassen. In unserer Art der Fotografie geht es darum, Dinge hervorzuheben oder neu zu interpretieren.

 

elifant© The Dark Light

 

 

Wer oder was inspiriert euch bei der Arbeit, beziehungsweise woher kommen die Ideen für eure Motive?

 

Jörg: Es gibt diverse Arbeiten die wir schätzen, aber unsere Inspiration kommt durch den eigenen Drang sich weiter entwickeln zu wollen. Der Bereich des Light Painting ist vielfältig und glücklicherweise noch schwach besiedelt, sodass man viel ausprobieren kann. Viele Arbeiten sind hauptsächlich klassische Interpretationen des Light Paintings. Das heißt, dass ein Motiv mit dem natürlich vorhandenen Licht fotografiert wird und mittels Taschenlampen und LED`s Formen oder Gegenstände in das Bild gemalt werden. Natürlich machen wir das auch, aber unsere Leidenschaft liegt darin, vorhandenes in einem neuen Licht erstrahlen zu lassen. Damit versuchen wir, den gewohnten Blick des Betrachters zu irritieren und ihn für seine Umwelt zu sensibilisieren.

 

Christian: Ideen findet man überall. Zum Beispiel entdecke ich viele neue Möglichkeiten, wenn ich mit dem Fahrrad durch die Stadt fahre. Wenn man mit offenen Augen durch den Alltag läuft findet man überall Ideen. Meine Inspiration entsteht am Motiv. Der für mich spannendste Teil der Arbeit ist jedoch die Entwicklung neuer Lichtquellen. Dabei geht es hauptsächlich darum Lampen zu bauen, die unseren Ambitionen entsprechen. Ganz oft reicht eine herkömmliche Taschenlampe für unsere Ansprüche nicht mehr aus.

 

 

Nemo and Company-fertig© The Dark Light

 

 

Beim „Light Painting“ geht es darum Lichtquellen in Bildern hervorzuheben. Was ist die Herausforderung dabei und was muss man beachten? 

 

Jörg: Beim Light Painting geht es nicht nur darum Lichtquellen in Bildern hervorzuheben, sondern auch motivfremde Lichtquellen zu nutzen, um Bilder entstehen zu lassen, bei denen die benutzten Lichtquellen nicht mehr zu sehen sind. Egal welche Art man bevorzugt: Es sind mehrere Faktoren zu beachten. Zunächst sollte man sich im Klaren sein, welche Aussage das Bild haben soll. Für mich ist das der wichtigste und anspruchsvollste Teil des Light Paintings. Ein weiterer Faktor ist die Helligkeit des Motivs: Natürliche Lichtquellen wie Straßen- und Schaufensterbeleuchtung oder der Mondschein müssen beachtet und zu einem harmonischen Gesamtbild zusammengefügt werden. Diese Fragen führen dazu, dass man sich Gedanken über die Blendeneinstellung der Kamera und die benötigte Belichtungszeit des Bildes machen muss. Es gilt die Faustregel, dass sich das, was als erstes beleuchtet wird am ehesten wieder verdunkelt. Weitere Herausforderungen entstehen dann, wenn man anfängt mit Licht und Gegenständen zu experimentieren. Ein Beispiel: Was passiert, wenn sich während einer Langzeitbelichtung die Kamera und das Licht bewegen?

 

Christian: Die Herausforderung ist für mich die Umsetzung eines überlegten Konzepts. Oft entstehen Bilder in unseren Köpfen, ohne dass wir darüber nachdenken, ob wir die dazu nötigen Lichtquellen haben. Das bedeutet: Ausprobieren, Erfahrungen sammeln und Lösungsansätze finden. Es ist ein bisschen wie im Theater: Proben, ausprobieren, einen Choreographie entwickeln. Es folgt die mit Licht inszenierte Generalprobe und anschließend die Aufführung. Da wir ohne Publikum auftreten, bleibt uns am Ende nur das Bild.

 

 

goldspeckshof

© The Dark Light

 

Mit welchem Equipment seid ihr unterwegs? 

 

Jörg: Taschenlampen mit Tages- und Kunstlicht, LED-Strips und diversen selbstgebauten Lichtquellen. Ich persönlich habe mich auf Schablonen spezialisiert. Das heißt mein Equipment sind ein Blitz, Rahmen in verschiedenen Größen und Schablonen.

Christian: Mein Equipment als Veranstaltungstechniker war ursprünglich der Projektor. Da ich aber der technisch Versiertere bin, baue ich die nötigen Lampen und LED`s für unsere Bilder. So sind wir unabhängig von handelsüblichen Taschenlampen. Ein Beispiel: Als wir Lampen zum Schreiben gebraucht haben, habe ich solange rumprobiert und getüftelt, bis das Ergebnis am Ende eine Lichtsprühdose war.

 

 

Schmetterlinge© The Dark Light

 

 

Die digitale Fotografie verleitet meist zur Nachbearbeitung, um ein optimales Ergebnis zu erzielen, das oftmals beinahe künstlich wirkt. Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für euch? 

 

Jörg: Schwierige Frage! Natürlich ist die Nachbearbeitung ein wichtiges Thema, aber wir versuchen sie so minimal wie möglich zu halten. Ich beschränke mich auf klassische Anpassungen wie Kontrast- und Farbkorrekturen. Für uns geht es um die Kunst, alle im Bild zu sehenden Lichtquellen oder Gegenstände live zu malen oder zu beleuchten. Ganz oft werden wir gefragt, warum wir  diese Effekte nicht am Computer erstellen. Meine Antwort ist immer die selbe: Es macht den Reiz und auch die Kunst aus. Es ist wie in der Malerei: Wir haben eine Leinwand auf der wir mit Licht malen. Wer würde schon eine Leinwand einscannen und am Computer bearbeiten?

 

 

ipad-sternHeyno-Stelzenhaus

© The Dark Light

 

Was ist eurer Meinung nach ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?

 

Jörg: Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Ich denke aber, dass das Glück, mit dem eigenen Verständnis von Kunst den Geschmack des Konsumenten und der Zeit zu treffen, einen große Rolle spielt.

 

Christian: Das kommt darauf an, wie man Erfolg definiert. Wir sind zum Beispiel erfolgreich im Umsetzen unserer Ideen. Ob wir auch erfolgreich im Vermarkten unserer Arbeiten sind, lässt sich nicht so einfach feststellen.

 

 

Blume© The Dark Light

 
Für mehr Informationen über The Dark Light klicken Sie hier.

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