Straßenfotografie

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Das Genre der Straßenfotografie definiert künstlerische Werke, die im öffentlichen Raum, auf öffentlichen Plätzen oder der Straßen entstehen. Häufig zeigen diese Fotografien Einzelpersonen, Gruppen oder Passanten in Alltagssituationen. Abbildungen menschenleerer Szenerien werden diesem Genre jedoch ebenfalls zugeschrieben.

 

Als einer der ersten Fotografen des Genres gilt der Franzose Eugène Atget. Mit einer Großformatkamera porträtierte er das öffentliche Leben in Paris um die Jahrhundertwende. Mit der Entwicklung der Kleinbildkamera um 1930 entdeckten viele Künstler neue, flexible Möglichkeiten der Fotografie und das Genre erlebte seine Blütezeit. Vor allem die ebenfalls zunächst in Paris arbeitenden Fotografen Henri Cartier-Bresson und André Kertész erlangten mit ihren Momentaufnahmen Weltruhm. Bis in die 1950er-Jahre prägten ihre Arbeiten die Straßenfotografie in Europa und in den USA. Auch die sogenannte „New York School“, zu der Künstler wie Helen Levitt, Robert Frank und William Klein zählten, berief sich auf Cartier-Bresson als Vorbild. Mit Verzerrungen, schrägen Winkeln und asymmetrischen Bildaufbauten entwickelten die Amerikaner zugleich einen neuen Stil, der den klassischen und dokumentarhaften Kompositionen des Franzosen entgegenstand. Durch den Wandel der Gesellschaft verlor die Straßenfotografie in den 1960er- und 1970er-Jahren an Bedeutung. Zwischen 1980 und der Jahrtausendwende ließen Künstler wie Joel Sternfeld, Francis Alÿs oder Erwin Wurm das Genre wieder neu aufleben. Allerdings neuartigen Bedingungen: Menschen posierten für die Kamera und Protagonisten erhielten durch Inszenierungen fast skulpturalen Charakter. Philip-Lorca diCorcia kehrte schließlich zur Großformatkamera zurück und nutzt bis heute Scheinwerfer, um seine scheinbar alltäglichen Momentaufnahmen künstlich zu gestalten. Erst seit 2000 findet das Element des Zufalls wieder mehr Bedeutung in der Straßenfotografie. Während öffentliche Aufnahmen in den USA auch öffentlich zugänglich sind, gelten in Deutschland strengere Gesetze – zum Schutz der Persönlichkeit. In Einzelfällen wird vor Gericht geklärt, ob die Straßenfotografie „Kunst“ ist und damit dem Recht der Kunstfreiheit unterliegt oder ob es sich um eine Bildaufnahme handelt, die die Privatsphäre einer Person achten muss.

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