Architekturfotografie

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Architekturfotografie© WhiteWall.com

 

 

Das Genre wird in zwei Gruppen unterteilt: Während die technische Architekturfotografie den Entstehungsprozess eines Bauwerks, von der Entwurfsphase bis zur Fertigstellung, möglichst objektiv festhält, bringt die künstlerische Architekturfotografie mittels Perspektiven, Licht und anderen Gestaltungsmitteln oftmals auch das Wesen der Architektur zum Ausdruck.

 

Als Nicéphore Nièpce 1826 mit einer Camera obscura seine Scheune und die angrenzenden Gebäude fotografierte, gelang ihm mit einer Belichtungszeit von etwa acht Stunden die allererste, jedoch nur schemenhafte Architekturaufnahme. Mit dem Maler Louis Jacques Mandé Daguerre entwickelte Nièpce das fotografische Verfahren weiter: Bei der daraus entstandenen Daguerreotypie, die der Maler erst nach Nièpces Tod zur Vollendung brachte, wird eine versilberte Kupferplatte belichtet. Das Material war kostspielig und die Belichtungszeiten blieben lang. So brachte die Daguerreotypie zwar die Architekturfotografie, aber keineswegs die Porträtkunst voran. Erste Bildbände berühmter Bauwerke erschienen. Nach der Gründung des weltweit ersten Amts für Denkmalpflege im Jahr 1849 in Paris erhielten Fotografen den Auftrag, alle bedeutenden französischen Bauwerke zu dokumentieren. Um die Bedeutung der Denkmäler hervorzuheben, betonten die Aufnahmen das Monumentale der Bauwerke. Daraus entwickelte sich die künstlerische Architekturfotografie, die Fotografen wie Berenice Abbott oder Alfred Stieglitz auch in den USA berühmt machte.

Mit der „Neuen Sachlichkeit“ brachten in den 1930er-Jahren deutsche Fotografen wie Albert Renger-Patzsch und August Sander den Dokumentarcharakter zurück in das Genre. Nach dem zweiten Weltkrieg rückte erneut der künstlerische Aspekt der Architekturfotografie in den Vordergrund. Während Lucien Hervé in Europa beispielsweise mit starken Kontrasten die Architektur Alvar Altos, Marcel Breuers oder Le Corbusiers beeindruckend in Szene setzte, gelang es Julius Shulman in den USA nicht nur Ikonen der Architektur zu charakterisieren, sondern auch den American Way of Life erlebbar zu machen. Bernd und Hilla Becher setzten sich ab den 1960er-Jahren in stilistischer Klarheit mit Nutzbauten der Industrie als künstlerische Motive auseinander. Seit 2004 führt Michael Wesely die zwei Linien der Architekturfotografie zusammen: Mit extremen Langzeitbelichtungen beziehungsweise überlagerten Einzelbildern dokumentiert der deutsche Fotograf über Jahre das Entstehen von Bauwerken.

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