Fotografen im Portrait – Peter Weimann

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Das Schöne an einer Leidenschaft ist unter anderem, dass man sie mit Menschen teilen kann und sie sogar an andere weitergeben kann. So gesehen hat Peter Weimann seine Leidenschaft für die Fotografie von seinem Vater geerbt, der selbst ein passionierter Amateurfotograf war und seine Kamera auf allen Familienausflügen immer mit dabei hatte. Somit war schon einmal der Grundstock gelegt und das Interesse geweckt.

Um eine Leidenschaft zu manifestieren bedarf es meist einem besonderen Ereignis, einem „Aha-Erlebnis“, das letztendlich aus einem Interesse, einem Hobby Faszination werden lässt. Bei Peter Weimann gab es solch einen Moment bereits während seiner Schulzeit. Als Teilnehmer der Foto AG erlernte er das Grundwissen über Technik, Bildaufbau und Laborarbeit und schoss das Gruppenbild seiner Abschlussklasse. Auch der Lehrer des Kurses fotografierte die Klasse – doch kaufen wollten die Mitschüler nur Peter Weimanns Bild.

Ein Schlüsselerlebnis seiner fotografischen Karriere, das ihn motivierte und anspornte, sein Können weiter auszubauen und für sich zu nutzen. So bewarb sich Weimann kurze Zeit später als freier Fotograf bei einer Tageszeitung, wo er sein Wissen durch die zusätzliche Ebene der Pressefotografie erweitern konnte. Beim journalistischen Arbeiten kommt es darauf an, mit dem Bild das Geschehene zu unterstützen und zu verdeutlichen. Die Ästhetik des Bildes muss die Information des Textes hervorheben und darf ihn nicht überlagern. Eine gute Schule um den fotografischen Blick für das Wesentliche eines Bildes zu schärfen.

Heute konzentriert sich der Fotograf vor allem auf die Natur- und Reisefotografie, die ihm besonders am Herzen liegt. „Die Natur ist meine zweite große Leidenschaft“, sagt Weimann, der sich immer wieder selbst neue fotografische Herausforderungen sucht, Stillstand kann er sich für sein Leben und seine Fotografie nicht vorstellen. Nachdem er jahrelang an seiner Technik gefeilt hatte, ergaben sich durch die Zusammenarbeit mit einer großen Naturschutzorganisation die ersten Veröffentlichungen auf diesem Gebiet. Heute findet man seine Fotografien in großen Magazinen wie „National Geographic“, „Outdoor Photographer“, „Ranger Rick“ oder „Das Tier“.

Die Qualität seiner Arbeiten ist Peter Weimann enorm wichtig, ob die der eigentlichen Fotografie oder die der anschließenden Präsentation – Kompromisse möchte der Fotograf nicht eingehen. Vielleicht auch weil er genau weiß, wie viel Arbeit und Erfahrung in seinen Bildern steckt und wie schade es wäre, wenn die ausgearbeitete Aufnahme hinter seinem fotografischen Können zurückbleiben würde.

 

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Interview mit Peter Weimann

 

Warum haben Sie sich für das Fotografieren entschieden und wann entdeckten Sie diese Leidenschaft?

 

Schon während meiner Schulzeit habe ich mit der Fotografie angefangen. Seitdem ist das Bildermachen ein fester Bestandteil in meinem Leben. Die Fotografie erlaubt mir mein Wahrnehmungsvermögen zu erweitern: Ich bin dauernd auf der Suche nach dem Schönen und Aufregendem. Mit der Kamera in der Hand darf ich neugierig sein, mich für Anderes interessieren, Leute ansprechen. Ich kann mich für den Erhalt der Natur einsetzen und sie gleichzeitig genießen. Ein Privileg nach meinem Empfinden.

 

Welche Motive haben es Ihnen angetan?

 

In meinen Anfangsjahren war es fast exklusiv die Tierwelt mit all ihren Facetten. Dann merkte ich aber irgendwann, dass ich von den mitgebrachten Bildern meiner Reisen nicht die Tierbilder sondern die Landschaftsbilder an meiner Wohnzimmerwand haben wollte. So habe ich mich langsam immer mehr in Richtung Landschaftsfotografie entwickelt, die ich auch immer noch spannend finde und ich genieße es immer wieder, wenn mir ein richtig gutes Bild gelungen ist.

 

Gibt es innerhalb Ihrer Sujets eine erkennbare Linie, die sich durch alle Arbeiten zieht, eine Richtung, die Sie verfolgen?

 

In der Tierfotografie versuche ich immer einen besonderen Augenblick einzufangen. Einer der Höhepunkte war die Geburt eines Rehkitzes, die ich nicht nur beobachten, sondern auch noch fotografieren konnte. Nach 3 Stunden und 25 belichteten Filmen waren nicht nur die Ricke und das Kitz erschöpft.

In der Landschaftsfotografie arbeite ich sehr gerne mit Nebel, Linien und Strukturen um Leben und Tiefe in die Bilder zu bringen. Aber ich glaube der Nebel ist bei mir wohl das stärkste Stilelement.

 

Auf dem WhiteWall Kunstmarkt sind unter den Landschaftsaufnahmen sehr viele Reisefotografien von Ihnen zu bestaunen. Welchen Reiz hat die Ferne für Sie?

 

Einfach gesagt ist es die Befriedigung meiner Neugierde auf fremde Länder, Menschen und Kulturen. Einer der Höhepunkte war eine Reise nach Myanmar (Burma). Es war eine Zeitreise: 500 Jahre in die Vergangenheit mit fantastischen Menschen.

 

Funktioniert Reisefotografie auch in Schwarz/Weiß (S/W)?

 

Gute S/W-Motive findet man überall, man muss nur den Blick dafür schärfen. Während einer Reise gelingt mir das am ehesten, da ich den Kopf frei habe für die Unzahl an angebotenen Motiven. Aus reiner Vermarktungssicht im redaktionellen Umfeld ist S/W leider nicht gefragt. Dies ist Gott sei Dank auf dem Kunstmarkt anders.

 

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Neben der Wahl des Motivs spielt ja die Produktion des Werkes eine Rolle. Was muss ein professionelles Fotolabor leisten können, um Sie zu überzeugen?

 

Das Labor muss eine konstant hohe Qualität bringen und der Versandservice muss da qualitativ mithalten. Ich hatte schon Anfragen von Kaufinteressenten, die mich überreden wollten die Bilder bei einem Mitbewerber einzustellen, damit sie ein paar Euros sparen können. Das habe ich nicht gemacht. Zu Recht wie ich später erfuhr. Alle Bilder die er dort bestellt hatte musste er reklamieren und war damit nicht sonderlich erfolgreich. Diesen Ärger will ich mir und meinen Kunden ersparen und lasse alles über WhiteWall produzieren.

 

Sie sprechen es selbst an: Wie wichtig ist die Präsentation einer Fotografie?

 

Um ein Bild wirklich genießen zu können muss es die richtige Form haben. Das schönste Bild wirkt nicht, wenn es lieblos mit Reißzwecken auf die Raufasertapete gespickt wird. Das Bild muss zur Einrichtung, zur Wandfarbe, zur Position an der Wand und zur Beleuchtung passen. Mit Hilfsmitteln wie Passepartout, Rahmenfarbe und -stärke kann man da sehr geschickt die Wertigkeit steigern.

 

Wann haben Sie den Entschluss getroffen Ihre Bilder der WhiteWall Jury vorzustellen und den Kunstmarkt zu nutzen?

 

Das habe ich gleich zu Anfang entschieden. Das war für mich eine sportliche Herausforderung und ich wollte wissen, wie andere meine Bilder finden.

 

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Gut, dass Sie das als Herausforderung und Ansporn gesehen haben! Mehrere Ihrer Werke wurden in großen Foto-Zeitschriften wie „National Geographic“ oder „Outdoor Photographer“ veröffentlicht. Wie sind diese Magazine auf Ihre Arbeiten aufmerksam geworden?

 

Bei „National Geographic“ läuft das alles über eine amerikanische Bildagentur, die mich seit vielen Jahren dort erfolgreich vertritt.

„Outdoor Photographer“ hat das Bild von dem Wolf hinter der Kamera im Internet entdeckt und mich angeschrieben, ob sie das Bild für ihren „Last frame“ nutzen dürfen. Das war ein toller Erfolg, da ich gerade meine Homepage halbwegs fertig hatte und dadurch Besucher aus über 70 Ländern bekam.

 

Haben Sie ein fotografisches Vorbild?

 

Nein. Aber ich finde die Arbeit von Norbert Rosing, den ich auch persönlich sehr schätze, sehr inspirierend. Aber auch Art Wolfe und Robert Glenn Ketchum liefern tolle Bilder. Und immer wieder entdecke ich bei Amateuren grandiose Bilder, die ich auch gerne in meinem Archiv hätte.

 

Mit welchem Kamera-Equipment arbeiten Sie?

 

Zurzeit arbeite ich mit einer Vollformat DSLR und etlichen Objektiven desselben Herstellers. Davor war auch Mittelformat für lange Zeit mein Hauptarbeitsgerät. Die Qualität der digitalen SLRs ist aber mittlerweile so hoch, dass ich bequem das Mittelformat aufgeben konnte.

 

Welche Ihrer Fähigkeiten nutzt Ihnen beim Fotografieren am meisten?

 

Neugierde und Geduld.

 

Was muss man als Fotograf unbedingt können?

 

Man muss Vorstellungskraft haben und Motive visualisieren können bevor man sie real sieht. Nur so kann man auf den geeigneten Augenblick vorbereitet sein.

 

Geht es hauptsächlich um Talent oder ist die Fotografie ein Handwerk, das man erlernen kann?

 

Im Kunstmarkt geht es mehr um Talent. In der redaktionellen Fotografie ist zusätzlich noch die handwerkliche Seite gefragt. Nicht so sehr die künstlerische Darstellung, dafür aber eine Aussagekraft, die den redaktionellen Inhalt eines Berichtes unterstützt. Aber durch die Beschäftigung mit guten Bildern, durchaus auch aus der Malerei, kann man sehr viel lernen und sein Talent fördern.

 

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Welche Motive interessieren Sie überhaupt nicht?

 

Die Fotografie und mein Leben sind wie ein sich stetig ändernder Fluss. Deshalb möchte ich dazu nichts sagen, da mich der Lauf der Dinge zu Veränderungen treibt und meine Aussage von heute ad absurdum führen würde.

 

Können Sie sich vorstellen, hauptberuflich als Fotograf zu arbeiten?

 

Nein, nicht unter der jetzigen Wirtschaftslage der Fotografie. In Zeiten der Microstock-Agenturen, die Bilder für wenige Cent verhökern ist es schwierig geworden, als Fotograf zu überleben. Wäre ich finanziell unabhängig, gäbe es auch ein klares Jein. Denn die Fotografie kann auch in ein soziales Abseits führen. Da man selten daheim ist, fällt es schwer die Freundschaften zu erhalten und zu pflegen.

 

Wenn Sie es sich aussuchen dürften: Gibt es ein Wunschmotiv, das Sie gerne einmal ablichten würden? Einen bestimmten Menschen oder eine Landschaft?

 

Ja, Burma. Land und Leute. Ich habe selten so intensive Eindrücke gehabt wie dort. Und ich wünschte, ich könnte den Leuten dort helfen ihre Situation zu verbessern, obwohl dies fotografisch kontraproduktiv ist.

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