Faszination Makrofotografie | Interview: Valentin Gutekunst

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Foto: Valentin Gutekunst

Die Makrofotografie zählt zu einem der faszinierendsten und spannendsten Genres der Fotografiebranche. Sie ermöglicht es uns Details zu veranschaulichen, die außerhalb unseres üblichen Sehvermögens liegen. Im Interview spricht Makrofotograf Valentin Gutekunst über die Faszination und Schönheit der Natur, seinen Weg zur Makrofotografie und erklärt, worauf es bei guten Makrofotografien ankommt.

 

Herbstanemone/ Foto: Valentin Gutekunst

 

Hallo Valentin, erzähl uns ein bisschen etwas über dich. Wie bist du zur Fotografie gekommen und was begeistert dich am meisten daran?

 

Valentin Gutekunst: Ich komme aus Stuttgart und studiere dort technische Biologie. Zur Fotografie bin ich vor etwa drei Jahren gekommen, als ich zufällig eine beeindruckende Makroaufnahme von einer winzigen Springspinne sah. So etwas hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Ich war total fasziniert und wollte so etwas auch hinbekommen. Also habe ich mir eine Kamera besorgt und mich voller Tatendrang daran gemacht die ersten Makrofotos zu schießen.

Leider habe ich recht schnell gemerkt, dass ich mit meinem Equipment nicht nah genug an meine Motive herangekommen bin. Ich wollte mehr und habe mich im Internet informiert, wie solche extremen Makroaufnahmen möglich sind. Ich habe einfach nicht locker gelassen. Das Makrofieber hat mich seitdem gepackt.

 

Springspinne/ Foto: Valentin Gutekunst

 

Du bist Betreiber der Webseite Makrotreff: Welche Philosophie steckt dahinter?

 

Als ich mich damals im Internet nach Informationen, Tipps und Tricks zur Makrofotografie umgeschaut habe, musste ich schnell feststellen, dass gerade für Einsteiger nicht viel geboten wurde. Daraufhin habe ich mich hingesetzt und ohne große Vorkenntnisse eine Website erstellt. Nach monatelanger Arbeit ist daraus dann Makrotreff entstanden.

Ein Portal für alle Makro- und Naturfotografie-Begeisterte. Damit soll besonders Einsteigern, die den Weg zur Makrofotografie gefunden haben, geholfen werden. Aber auch erfahrene Makrofotografen können anhand von Artikeln über tiefergehende und neue Methoden der Makrofotografie profitieren.

Die eigentliche Mission von Makrotreff und der Zeitschrift Makrofoto ist es aber, die Faszination und Schönheit der Natur und deren Geschöpfe den Menschen wieder näher zu bringen. Viele Leute nehmen die Umwelt nicht mehr bewusst wahr. Dem wollen wir entgegenwirken und ein Bewusstsein schaffen, dass es sich lohnt gerade unsere heimische Artenvielfalt zu schützen und zu fördern. Das gelingt uns indem wir durch faszinierende Makroaufnahmen Aufmerksamkeit erzeugen und gleichzeitig Aufklärungsarbeit leisten. So berichten wir beispielsweise über bedrohte Tierarten oder Pflanzen und zeigen mit unseren Fotos wie wunderbar die Natur vor unserer eigenen Haustür sein kann.

 

Skorpionsfliege/ Foto: Valentin Gutekunst

 

Was fasziniert dich so sehr an der Makrofotografie?

 

Die Makrofotografie eröffnet einen Weg in eine völlig neue Welt. Mich hat es unglaublich fasziniert wie Tiere, aber auch Pflanzen aussehen, wenn man sie vergrößert betrachtet. Man entdeckt Details, die man vorher nie wahrgenommen hat. Aber nicht nur Details. Seitdem ich mit der Makrofotografie begonnen habe, hat sich mein Blick auf die Natur komplett gewandelt. Ich sehe wieder bewusster hin, erkenne plötzlich überall Leben – auch wenn es noch so klein ist. Ich habe vieles entdeckt, was ich früher nicht kannte und das ist es, was für mich die wahre Faszination ausmacht.

 

Welche Motive sind für Makrofotos besonders reizvoll?

 

Im Grunde lässt sich fast alles im Makroformat ablichten. Besonders reizvoll waren für mich schon immer die Springspinnen mit ihren faszinierenden riesigen Zentralaugen. Wunderschön sind natürlich auch Schmetterlinge. Aber den größten Reiz sehe ich derzeit in den sogenannten Kugelspringern, diese extrem winzigen Tierchen – meist kleiner als einen Millimeter – sind im Grunde überall und doch kennt und sieht sie kaum jemand.

 

Kugelspringer/ Foto: Valentin Gutekunst

 

Wer oder was inspiriert dich bei deiner Arbeit, beziehungsweise woher kommen die Ideen für deine Motive?

 

Die meisten Ideen kommen mir meist spontan, wenn ich bestimmte Objekte sehe. Beispielsweise habe ich letzten Winter versucht Schneeflocken mit einem Tuch aufzufangen und die einzelnen Eiskristalle fotografiert. Oder ich sammele verschiedene Früchte oder Samen und experimentiere damit Zuhause, wenn das Wetter draußen unwirtlicher wird. Die meiste Zeit bin ich jedoch in der Natur unterwegs und fotografiere das, was ich auf meinen Touren alles entdecke.

 

Mit welchem Equipment bist du unterwegs?

 

Derzeit fotografiere ich mit der Sony a77ii und einem Tamron 90 mm Makroobjektiv. Viele meiner Fotos und gerade die extremen Makros mache ich mit einem sogenannten Retroadapter, der es möglich macht, Objektive falsch herum an die Kamera anzuschließen. Dazu verwende ich ein altes manuelles Objektiv. Mit dieser günstigen Kombination für circa 80 Euro sind beeindruckende Vergrößerungen möglich. Man braucht also keine teure High-End Ausrüstung. Jeder kann mit einfachen Hilfsmitteln tolle Makrofotos schießen.

 

Schneeflocke/ Foto: Valentin Gutekunst

 

Worauf muss man beim Makrofotografieren achten? Gibt es allgemeingültige Tipps?

 

Das wichtigste ist gutes Licht. Auch Makrofotografie ist nichts Anderes als „Malen mit Licht“. Gutes Licht ist in diesem Falle diffuses, weiches Licht. Das sorgt für eine gleichmäßige Ausleuchtung des Motivs. Darauf folgt eine Eigenschaft die jeder Makrofotograf mitbringen sollte: Geduld. Noch besser: Viel Geduld! Denn die meisten Tiere lassen sich nicht so einfach ablichten. Etwas leichter tut man sich in den frühen Morgen- oder den späten Abendstunden. Insekten sind da viel träger und damit leichter zu fotografieren.

 

Die digitale Fotografie verleitet meist zur Nachbearbeitung, um ein optimales Ergebnis zu erzielen, das oftmals beinahe künstlich wirkt. Wie stark nutzt du digitale Nachbearbeitung?

 

An der digitalen Nachbearbeitung führt heutzutage eigentlich kein Weg mehr vorbei. Denn selbst das Entfernen von Sensorflecken oder Focus Stacking zählt strenggenommen schon dazu.

Allerdings versuche ich meine Nachbearbeitung möglichst gering zu halten, da ich die Dinge so zeigen möchte wie man sie auch in der Natur vorfindet.

 

Was ist deiner Meinung nach ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?

 

Man braucht Ehrgeiz und Ausdauer, denn das Fotografieren lernt man meiner Meinung nach nur durch fotografieren. Da hilft auch das teuerste Equipment nichts. Man muss raus und fotografieren, fotografieren, fotografieren.

 

Valentin Gutekunst ist Betreiber der Webseite Makrotreff, Herausgeber von Makrofoto und selbst ambitionierter Fotograf. Mit seinen Fotos möchte er den Menschen die Faszination und Schönheit der Natur sowie deren Geschöpfe wieder näher bringen und ein Bewusstsein schaffen, diese Artenvielfalt zu bewahren.

 

Mehr Informationen rund um die Makrofotografie gibt es auf www.makro-treff.de und auf Facebook: https://www.facebook.com/makrofotografie.deutschland

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