Roland Michels: Ein Hochzeitsfotograf im Gespräch

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Dort wo sich alles abspielt – das Leben, die Liebe, die Feier – dort ist Roland Michels am Werk. Als Gast, Helfer und Freund tritt er auf Hochzeiten auf und dokumentiert als professioneller Fotograf einen der bedeutensten Tage im Leben eines Paares. Was die Hochzeitsfotografie für Ihn zu einer Leidenschaft macht, erzählte er uns im Interview.

 

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Erzähl uns bitte kurz etwas über dich…

Ich habe mich vor etwas mehr als 10 Jahren in Hamburg als Fotograf selbständig gemacht. Anfangs lag mein Fokus noch auf Food- und Business-Fotografie, dann kam recht schnell Hochzeitsfotografie hinzu. Mittlerweile drehe ich für Businesskunden auch viele Imagefilme.

 

Weshalb hast du dich für Hochzeitsfotografie entschieden?

Ich habe recht schnell gemerkt, dass mir das dokumentarische fotografieren sehr viel Spaß macht und das den Brautpaaren das sehr gut gefällt, was ich mache. Hinzu kommt, dass Brautpaare mich genau für meinen Stil buchen und ich deshalb sehr viel künstlerische Freiheit im Rahmen eines beschallten Auftrages habe. Besonders bei den Portraits. Das ist im Businessbereich oft nicht so. Da muss eher ein bestimmter Stil nach Vorgabe umgesetzt werden.

 

Hast du ein Idol in der Hochzeitsfotografie oder wer hat dich am meisten inspiriert?

Ich schaue oft nach Inspiration außerhalb der Hochzeitsfotografie, zum Beispiel in der Malerei. Wenn man sich genauer die alten Meister anschaut, wie sie in ihren Bildern Licht umsetzen konnten, dann kann man viel dazulernen. Aber auch die Modefotografie ist sehr inspirierend – ich schaue mir da gerne die dramatischen, inszenierten Fotos von Eugenio Recuenco, Tim Walker oder David Lachapelle an.

Wenn man sich ein wenig mit Formen und Farben beschäftigt, dann findet man zudem viele Inspirationen, in der Natur, im täglichen Leben.

 

Welche Tipps hast du für Brautpaare, die einen Fotografen suchen?

Ich kann Brautpaaren nur raten, sich nicht von schönen Webseiten und ein paar tollen Dekobildern blenden zu lassen sondern einen tieferen Blick in die Arbeiten der Fotografen zu wagen. Schaut euch zwei, drei komplette Reportagen an. Damit meine ich nicht das „Best of“ auf den Blogs, sondern dass, was das Brautpaar wirklich bekommt. Sind wirklich alle Fotos gleichmäßig bearbeitet? Ist die Reportage wirklich eine Geschichte des Hochzeitstages oder eher eine zusammenhanglose Bildersammlung? Schafft es der Fotograf Gefühle in seinen Fotos einzufangen? Trefft euch persönlich, oder falls das nicht geht, zumindest über Skype um zu sehen ob man sich sympathisch ist.

 

Auf Hochzeiten gibt es häufig auch viele fotografierende Gäste. Was denkst du, weshalb ein Brautpaar trotzdem nicht auf einen professionellen Fotograf verzichten sollte?

Ich fotografiere die Reportage über den ganzen Tag. Das heißt 8-14 Stunden volle Aufmerksamkeit, viele Fotos, zusätzlich drei Tage Arbeit, die man nicht auf den ersten Blick sieht. Entscheidend für eine gute Reportage ist die Erfahrung – zu wissen, was wann wo auf einer Hochzeit passiert und auch bei nicht optimalen Bedingungen tolle Fotos zu machen. Wenn ich auf einer Hochzeit als Gast eingeladen bin und mich fragt das Brautpaar, ob ich Fotos mache, dann sage ich nein. Denn entweder bin ich beauftragter Fotograf oder Gast. Als Gast genieße ich die Hochzeit ohne die Verantwortung tolle Fotos abzuliefern. Vielleicht mache ich ein paar Erinnerungsfotos für mich. Deshalb sollte sich das Brautpaar gut überlegen, was sie ihren Freunden aufbürden. Daran sind sicher schon Freundschaften zerbrochen. Zudem ist es auch schöner, wenn es eine klare Zuordnung gibt, wer die Hochzeit fotografiert, so können Brautpaar und Gäste das Fest genießen, auch gibt es Situationen, in denen wirklich nur einer fotografiert (Trauung, Familienfotos, Portraits) und wo viele fotografierende Gäste stören.

 

Wie schaffst du eine lockere Atmosphäre vor allem beim Portrait-Shooting oder Gruppenfotos?

Mir ist wichtig, dass die Brautpaare sich immer wohlfühlen. Es ist ihre Hochzeit, ihr schönster Tag und mein erstes Ziel ist es, ihnen dabei zu helfen, dass es auch so bleibt. Bei Portrait-Shootings lasse ich die Brautpaare am Anfang in Ruhe, nehme etwas Abstand. Das ist nach der Trauung, dem vielen Händeschütteln der Anspannung, der erste Moment den beide für sich haben. Entsprechend romantisch und verliebt sind oft diese ersten Portraitfotos. Nach und nach greife ich mehr ein, korrigiere Haltungen und Hände so, dass sie vorteilhaft wirken.

Bei Gruppenfotos muss man etwas resoluter auftreten und klare Ansagen machen. Leider mögen die wenigsten Gäste und Verwandten das Erstellen von Gruppen- und Familienfotos, was ich schade finde. Deshalb muss man ihnen immer erst mal klarmachen, dass diese Fotos nicht für mich, sondern für sie und das Brautpaar sind.

 

Wie würdest du deine Arbeitsweise beschreiben: eher zurückhaltend und unauffällig oder offensiv und nah dran?

Definitiv „zurückhaltend – nah dran“. Ich trete auf Hochzeiten als Gast, Helfer und Freund auf, nur so kann ich für meine Fotos eine unbefangene Nähe aufbauen. Sehr oft realisieren die anderen Gäste gar nicht, dass ich ein beauftragter Fotograf bin und fragen mich, in welcher Verbindung ich zum Brautpaar stehe. Das fasse ich dann als Kompliment auf. Ich dokumentiere, greife nur selten ein, zum Beispiel wenn anfangs zu viel in die Kamera geschaut wird oder wenn bei den Brautvorbereitungen etwas unpassendes im Bild ist (wie Plastikverpackung des Brautkleides oder halb leer gegessene Teller).

 

Gibt es perfekte Bilder für dich? Wenn ja, was macht diese für dich aus?

Wenn es mir gelingt viele echte, tolle Emotionen einzufangen, die weinende Großmutter, lachende Kinder, verliebte Menschen, dann kommt das für mich der Perfektion recht nahe. Wenn meine Fotos eine Geschichte erzählen, wenn sie einen emotionalen Wert für einen Menschen haben, der sie anschaut, dann gibt mir das sehr viel zurück. Das schöne an der Hochzeitsfotografie ist gerade, dass nichts perfekt ist. Brautpaare sind keine Models, Hochzeitslocations sind keine Sets in denen man das Licht solange verändern kann, bis es passt. Man fotografiert das was passiert.

 

Welche ungewöhnlichen Locations hattest du bereits bei Hochzeitsreportagen?
Ein tolles französisches Schloss mit so riesigen Kaminen, dass das Brautpaar gemeinsam für ein Portraitfoto reinpasste. Eine alte Hansekogge, die während der Trauung von Travemünde nach Lübeck fuhr und die Hochzeitsgesellschaft anschließend zum Feiern an einem Beachclub raus ließ. Ein Indischer Tempel in Coventry. Für mich ist es immer wieder eine Überraschung wie einfallsreich die Brautpaare bei der Wahl ihrer Location sind.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für Brautpaare, um Kontakt zum Fotografen aufzunehmen?

Sobald man weiß, dass man bei seiner Hochzeit einen Fotografen dabei haben möchte. Als Hochzeitsfotograf, kann man an einem Tag nur eine Hochzeit fotografieren, deshalb ist die Chance seinen Wunschfotografen zu buchen natürlich höher, je früher man anfragt. Mittlerweile ist die Buchungssaison für das nächste Jahr schon im vollen Gange.

 

 

Images: Roland Michels

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